Kunst & Kultur
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Évora – Die Metropole im Alentejo punktet mit Küche, Kirchen und Klöstern

Marktplatz Café Évora Alentejo

Küsschen links. Küsschen rechts. Ganz landestypisch empfängt uns Olga in Évora, der größten Stadt im Alentejo. Eine junge Frau, die sich auskennt in der Region. „Für uns ist Essen und Trinken wichtiger als hippe Klamotten und modischer Firlefanz“. Der Besucher sieht das Évora auch an, das zu Portugals schönsten Städten gehört und heute unter dem Schutz des Weltkulturerbes steht. „Früher kam fast keiner hierher“, weiß Olga, „seit der Auszeichnung durch die UNESCO aber sind jetzt auch die Touristen da.“

Leben hauchen der Universitäts- und Bischofsstadt vor allem die Studenten ein, die Abend für Abend die Bars in der engen Altstadt bevölkern. „Die Menschen in Évora sind ruhiger und leiser als die im übrigen Portugal“, erzählt Olga. April und Mai, aber auch der Spätherbst sind so die besten Zeiten, um in Évora Station zu machen. Nicht mal zwei Stunden sind es mit dem Auto vom Flughafen Lissabon hierher. Quer durch eine Landschaft, die Korkeichen prägen. Bäume, deren Rinde alle neun Jahre geschält wird (lesen Sie auch: Alentejo zum Genießen und Entschleunigen. Der Großteil der Ernte wird noch immer zu Korken verarbeitet, aber inzwischen schätzen nicht nur Winzer das umweltfreundliche Material. In den Souvenirläden Évoras stapeln sich Taschen, Geldbeutel und Hüte, Handyhüllen und Schuhe aus Kork, ja sogar Kleider macht man inzwischen aus Eichenrinde.

Römische, maurische und christliche Bauten in  Évora

Kopfsteinpflaster prägt die Altstadt, an deren höchster Stelle die Römer einst einen Tempel errichteten. 14 der ursprünglich 18 korinthischen Säulen stehen noch immer und gehören heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Alentejo.

Diana-Tempel und Pousada in Évora

Anno 715 nahmen die Mauren Évora ein, die erst 1165 wieder vertrieben wurden. Gut zwei Jahrzehnte nach Vertreibung der Mauren begann der Bau der Kathedrale, einer Bischofskirche aus Granit. Zwölf Apostelfiguren zieren ihren Eingang, eine der schönsten gotischen Plastiken Portugals.

Evora-Kathedrale

In der Franziskanerkirche, einem weiteren Wahrzeichen der Stadt, lockt die Knochenkapelle, die Capela dos Ossos. Ein Beinhaus, in dem die Klosterbrüder die Knochen von gut 5.000 Menschen zusammengetragen haben. Die Toten sollten den Lebenden klar machen, dass alles Leben vergänglich ist. „Unsere Gebeine, die hier sind, warten auf die Euren“, steht groß am Eingang der Kapelle.

Die Renaissance war Évoras Blütezeit. Damals siedelten auch Portugals Könige in der Stadt, die sicher und wehrhaft war und so schnell zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Portugal wurde. Während der sogenannten Nelkenrevolution 1974, als sich die Portugiesen gegen ihren Diktator Marcelo Caetano auflehnten und mit Hilfe des Militärs stürzten, war Évora eine der Hochburgen der Revolutionäre. Die Kommunisten waren es auch, die dafür sorgten, dass der Cante Alentejo – ein uralter Wechselgesang von Vorsänger, zweitem Solist und Chor – heute zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit gehört. Ein archaisch anmutender Singsang, der abends auch Évoras Altstadt beleben kann.

Hotel-Tipps für Évora

Der Convento dos Lóios, ein ehemaliges Kloster im Schatten der Kathedrale, beherbergt inzwischen die Pousada Convento de Évora *****: ein Hotel mit 33 Zimmern und Schwimmbad.

Noch mehr hat man aus dem ehemaligen Convento do Espinheiro vor den Toren der Stadt gemacht, einem denkmalgeschützten Kloster der Hieronymiten aus dem 15. Jahrhundert, in dem heute das Convento do Espinheiro Hotel und Spa ***** zu Hause ist. Aus der alten Klosterküche ist eine Pianobar geworden, im ehemaligen Weinkeller wird heute vornehm gespeist. Und von sich reden machen auch die Weinproben hier, gelten die Weine des Alentejos inzwischen doch als die besten Portugals. 250 Weinproduzenten, darunter viele Genossenschaften, ernten ringsum rote und weiße Trauben, die als Land-, immer häufiger aber auch als Qualitätsweine in den Handel kommen.

Kulinarik-Tipps für Évora

Dass man in Évora zu Leben versteht, beweisen die vielen Restaurants der Stadt. Einfach und regional ist die Küche dort meist, in der Knoblauch nie fehlt. Zu den Leckerbissen zählt das Fleisch schwarzer Schweine, die in den Eichenwäldern des Alentejos leben, und frischer Fisch. Feinstes Olivenöl, gewonnen aus zum Teil mehr als zweitausend Jahre alten Bäumen, Thymian und andere Gartenkräuter sorgen für Pfiff. Und auch Käseliebhaber kommen im Alentejo auf ihre Kosten. Spezialität sind Rohmilchkäse aus Schafsmilch, denen Disteln eine besondere Note verleihen.

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