Kulinarik & Genuss
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Portwein: die Mutter der Weine

Eine hölzerne Fähre verbindet Portos Altstadt mit Vila Nova de Gaia auf der anderen Seite des Flusses. Dort reihen sich im Dauer-Schatten der nach Süden steil aufsteigenden Berge die Portwein-Kellereien berühmter Marken wie Ramos Pinto oder Sandeman aneinander.

Die Winzer bauen die Trauben im oberen Douro-Tal rund 100 Kilometer flussaufwärts an. Dort wird es im Sommer wochenlang bis zu 45 Grad heiß und im Winter sehr kalt. 1756 erhielt das extrem trockene Weinbaugebiet als erstes weltweit die geschützte Herkunftsbezeichnung Domaine d’Origine Controlée D.O.C. Über Jahrhunderte brachten die Weinbauern ihre Ernte auf offenen hölzernen Segelbooten, den Rabelos, in Holzfässern den Fluss hinunter in die Kellereien von Vila Nova de Gaia. Seit Lastwagen diesen Job übernommen haben ruhen viele der historischen mit Weinfässern beladenen Boote als Dekoration am Flussufer.
Nach zwei bis fünf Tagen stoppen die Kelterer die Fermentierung des Weins, indem sie rund 20 Prozent Branntwein hinzugeben. Blender mischen aus den verschiedenen Weinen in jeder Kellerei eigene Kreationen, die anschließend in Eichenfässern, Flaschen oder Stahltanks reifen. So entstehen die Sorten Ruby (rubinrot), Tawny (gelb-braun) und die weißen Portweine. Jede Art der Lagerung verändert nochmal den Geschmack.

Portweine haben Persönlichkeit

Für Eva Rodrigues sind die Portweine „Lebewesen“, die sie auf dem Weg zu ihrer vollen Reife begleitet. Die 51-jährige Chemikerin und Agraringenieurin versteht sich als „Mutter der Weine“, die ihren „Kindern ihre Persönlichkeit lässt“. Als „Blenderin“ der Kellerei Ramos Pinto mischt sie die jungen Portweine verschiedener Lagen eines jeden Jahrgangs. „Mikroorganismen, die Höhe des Weinbergs, seine Ausrichtung und die Bodenqualität geben jeder Traube ihren eigenen Charakter“, erklärt sie. Dann gießt sie einen Schluck rubinroten Ruby aus ihrem Reagenzglas in einen Weinschwenker, riecht mit geschlossenen Augen daran und nickt zufrieden.
Zu ihrem ungewöhnlichen Job kam Eva eher durch Zufall. Studiert hatte sie Land- und Forstwirtschaft, weil sie im Wald arbeiten und die Natur schützen wollte. Dann half sie bei der Re-Privatisierung der während der Nelkenrevolution 1974 enteigneten Landgüter. Als ihr kranker Cousin sie um Hilfe im Familienbetrieb Ramos Pinto bat fing sie dort im Labor an, beschäftigte sich immer intensiver mit dem Portwein und entdeckte schließlich ihr Talent für die „Aufzucht junger Weine.“ Seitdem steht sie vor allem im Probiersaal, mischt, probiert, beobachtet, lässt ihre Kinder reifen, gibt Impulse und lernt auch nach 30 Jahren immer noch dazu.
Objektiv guten Portwein gibt es für die freundliche Frau mit den langen braunen Haaren nicht. „Jedes Haus hat seinen eigenen Geschmack.“ Den gelte es zu kennen, zu gestalten und weiter zu entwickeln.

OLIMAR Tipps zum Portwein

Die Portweinkellereien liegen alle am Ufer des Douro in Vila Nova de Gaia, weil es dort im Schatten der südlich angrenzenden Berge kühler ist als auf der anderen Seite des Flusses. Die Kellereien bieten Führungen und Verkostungen an. Natürlich behauptet jeder Anbieter, den besten Portwein zu produzieren, zum Beispiel:
Ramos Pinto Vinhos, Ave. Ramos Pinto 380, www.ramospinto.pt

Portwein-Institut mit vielen Hintergrundinfos: ivdp.pt

 

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von

Robert F.

Robert zieht als freier Autor, Reporter und Fotograf vor allem durch europäische, nordafrikanische und nahöstliche Städte. Je näher sie am Meer liegen, desto wohler fühlt er sich dort. Besonders liebt er Hafenstädte.

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