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Cascais – wo das Licht zuhause ist

Blick auf die Bucht von Cascais

„Bem-vindo a Lisboa“ (Willkommen in Lissabon) begrüßt uns João Afonso, der Fahrer von unserem Hotel und reicht uns zwei Flaschen Wasser. Gerade erst angekommen, werden uns von João, den wir beim Vornamen nennen sollen, neben dem Gepäck auch alle weiteren Entscheidungen abgenommen. So fragt der gepflegte Portugiese im dunklen Anzug uns im höflichsten Britisch-English, ob wir statt der zehnminütigen schnelleren Strecke über Lissabons Autobahnen nicht lieber die Route vom Tejo an die Atlantikküste zu unserem Hotel in Cascais nehmen möchten. Wir sind im Urlaub, haben Zeit und schnell erkannt, dass dies genau das Richtige zur Einstimmung auf unseren Cascais-Urlaub ist.

João entpuppt sich als sicherer Fahrer sowie als ortskundiger Fremdenführer. Wir blicken auf eine pittoresk wirkende Altstadt, merken aber schnell, dass dies nur eine Facette Lissabons zu sein scheint. João fährt uns vorbei an modernen, futuristischen Gebäuden, die sich zwischen den Kulturdenkmälern wie dem „Torre de Bélem“ und dem Hieronymus-Kloster „Mosteiro dos Jerónimos“ erstrecken. Auf der anderen Uferseite des Tejos erblicken wir die gigantische 82 Meter hohe Jesusstatue „Christo Rei“. Besonders beeindruckend wirkt auf uns die imposante rote Hängebrücke „Ponte 25 Abril“. Die 2278 Meter lange Brücke verbindet Lissabon Alcântara mit dem Vorort Almada. „Oft wird die „Ponte“ mit der „Golden Gate Bridge“ in San Francisco verglichen. So fernliegend ist dieser Vergleich nicht, denn die Brücken ähneln sich nicht nur optisch, sondern sie wurden auch von derselben Firma gebaut“, verrät João.

Christo_Rei_Lissabon

Berühmte Statue „Christo Rei“ in Lissabon

 

Brücke_25_Avril

Nicht San Francisco sondern Lissabon: Brücke des 25. April über den Tejo

 

Wir blicken auf ein helles, lichtdurchflutetes Fischerdörfchen. Das ist also das berühmte Cascais. Das Meer glitzert und am Horizont meint man, beinahe ein Landstück Amerikas zu erahnen. João steuert auf eine historische Festung zu. „Ihr Hotel befindet sich innerhalb der Mauern der Festung die im 16. Jahrhundert zum Schutz der Küste errichtet wurde“, verabschiedet sich João.

Pousada de Cascais

Pousada de Cascais

Sehr zuvorkommend werden wir von der Hotel-Crew der „Pousada de Cascais“ in Empfang genommen. Generell sind alle wunderbar unaufdringlich aufmerksam. Mein Mann und ich sind bestens gelaunt und fühlen uns sofort angekommen. Vor allem Zeit zum Entschleunigen, gepaart mit einem stressfreien Kulturprogramm, Sport, Natur und gutem Essen liegen in unserem Fokus. Wie praktisch, dass die „Pousada de Cascais“ in einen Komplex integriert ist, der neben Restaurants und Geschäften sogar über ein eigenes kleines Kunst-Quartier verfügt.

Nun aber schnell Koffer auspacken, das Hotel und die Umgebung erkunden. Die Pousada ist ein erfrischender Mix aus Alt und Neu. Hier trifft eine historische Festung auf modernes Design. Dieser lässige Urban-Look zieht sich durch den gesamten Hotel-Komplex und schafft Ruhe im Kontrast zu den gewaltigen Mauern der Anlage.

Modernes Interieur zwischen alten Gemäuern: das Restaurant der Pousada de Cascais

Modernes Interieur zwischen alten Gemäuern: das Restaurant der Pousada de Cascais

Vor allem das Licht steht in der Pousada im Vordergrund. Und genau das wollen wir einfangen, als wir uns über eine schmale Wendeltreppe auf die Dachterrasse der Pousada begeben. Spätestens als uns der Wine Master, Vitor Santos, aus demhauseigenen Weinkeller eine Flasche Weißwein „Morgado de Sta. Catherina“ kredenzt, lassen wir uns mit einem tiefen, erlösenden Seufzen auf die weich gepolsterten Daybeds fallen. Wir geben uns dem beeindruckenden Ausblick über den Hafen mit seinen vielen kleinen Booten, dem aufregenden Licht und der grenzenlosen Weite hin.

Nachdem wir ein paar Stunden in der Sonne liegend sinnvoll vertrödelt haben, knurrt uns der Magen. Wir lassen uns vom Concierge ein in Gehweite liegendes Restaurant empfehlen. Wir möchten am Liebsten ganz traditionell typische, portugiesische Küche genießen.

Im Restaurant „Dom Pedro“ scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.
Für einen Augenblick reisen wir in die Vergangenheit, in das Cascais der 60er Jahre, wie uns Rodolfo Coelho, der Inhaber des Restaurants, erzählt. „Ich habe das Restaurant von meinen Eltern übernommen. Die Einrichtung entspricht noch immer dem Original. Selbst die für Portugal so typischen alten Azulejos-Fliesen in Blau-Weiß stammen noch von damals. Zu uns kommen noch immer Gäste aus der Zeit, als Cascais noch ein verwunschenes Fischerdörfchen war“, schwärmt Senhor Coelho. In diesem liebenswerten Kleinod werden wir mit gedünsteten Venusmuscheln in Olivenöl, Knoblauch und Koriander sowie köstlichem Grillfisch verwöhnt. Das Dessert tauschen wir gegen einen starken Espresso, die portugiesische „Bica“ ein.

Nach dem gestrigen Schlemmen setzen wir heute auf Aktivismus. Wir entscheiden uns für eine zweistündige Segway-Tour. Ausgangsort ist der Marktplatz von Cascais. Alexandre Silvas, unser Guide, gibt uns einen Segway-Crashkurs. Nachdem auch der letzte den Dreh raus hat, fahren wir im Gänsemarsch Alex hinterher. Über Headsets erzählt er uns von den Cascais-Highlights, während wir die engen Pflasterstein-Gassen mit ihren Sandsteinhäusern durchrollen.

Blick auf den Hafen von Cascais

Blick auf den Hafen von Cascais

Unsere Route führt uns an die Atlantikküste hin zum „Boca do Inferno“ –  dem „Höllenmund“, einer imposanten, malerischen Schlucht in den Klippen. Alex berichtet, dass der Dichter Aleister Crowley hier Anfang der 1930er Jahre seinen eigenen Selbstmord vortäuschte. Dadurch wurde dieser Ort weltbekannt.
Auf dem Rückweg machen wir einen Stop in das verwunschene Anwesen „Palácio dos Condes de Castro Guimarães“. Der Eintritt ist kostenlos und wir haben etwas Zeit, durch den wunderbaren Garten und das gotische Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert zu wandern. Mittlerweile ist dieser Ort zu einem Museum avanciert, in dem regelmäßig klassische Konzerte stattfinden.
Zum Schluss machen wir noch einen letzten Halt bei einer traditionellen Konditorei bzw. „Pastelería“ und gönnen uns ein paar typische portugiesische Blätterteigtörtchen mit Vanillepudding, die „Pastéis de Nata“ (siehe auch hier), bevor wir die Segways wieder zurückgeben.

Im Hotel angekommen, wollen wir das gute Wetter noch ausnutzen und packen fix unsere Badesachen zusammen. Uns zieht es an den Strand. Mit dem Taxi fahren wir zum „Praia do Guincho“. Dieser Dünenstrand, der zum Naturschutzgebiet von Sintra und Cascais gehört, ist aufgrund der vorherrschenden starken Winde ein beliebter Spot für Surfer. 1969 wurde hier sogar die Anfangsszene aus dem James Bond 007 Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ gedreht. Der ideale Ort für einen Sundowner, finden wir, und genießen das Panorama.

Am nächsten Morgen zieht es uns nach dem Frühstück auf der Sonnenterrasse der „Pousada de Cascais“ nach Sintra. Ein Bus fährt uns innerhalb von zirka 40 Minuten dorthin. Das Sintra-Gebirge ist eine einzige Schmuckschatulle: Schlösser, Burgruinen und verwunschene Paläste mit üppig bewachsenen Gärten reihen sich im Nordwesten von Lissabon aneinander. Wir wollen den Palast von Pena, das sogenannte „Neuschwanstein Portugals“ besichtigen.

Portugals Märchenschloss: Der Palácio da Pena in Sintra

Portugals Märchenschloss: Der Palácio da Pena in Sintra

Wir wählen die Fahrt durch die Berglandschaft mit einer Moped-Rikscha. Der „Palácio da Pena“ gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Portugals und ist mit seinem märchenhaften Äußeren die Attraktion im Sintra-Gebirge.
Die junge Studentin Elisabeta Sanchez, unsere Reiseführerin, hat einen zackigen, fast abenteuerlichen Fahrstil auf den oft sehr engen Wegen. Über der Szenerie liegt Nebel und Elisabeta erklärt, dass es in Sintra stets einige Grade kälter ist als in Cascais. Deshalb rettete sich der portugiesische Adel einst in den heißen Sommermonaten gerne in diese architektonische Perle.

Dieser Ort hat etwas Magisches, fast schon Mystisches. Wir können nachvollziehen, weshalb in einer der hiesigen „Quintas“ der Thriller „Die neun Pforten“ mit Johnny Depp gedreht wurde. Und nun ist voller Körpereinsatz gefragt. Elisabeta darf nur bis zum Eingang des Castelo dos Mouros fahren, dann führt ein steiler gepflasterter Weg hinauf. Die Maurenburg wurde im achten Jahrhundert errichtet und ist heute eine gut erhaltene Ruine. Ihre von Zinnen bewehrten Mauern sollten aber nur diejenigen betreten, die schwindelfrei sind.
Ausreichend kulturgeschwängert treibt uns der Hunger wieder zurück in das Hotel. Nur einen Katzensprung entfernt finden wir uns in dem Hotspot der Einheimischen, dem stylischen, aber äußerst gemütlichen Restaurant „Dom Diniz“ ein. Am Besten begibt man sich ganz in die Hände von Dinis Martins. Der Inhaber und leidenschaftliche Koch läuft dann zu kulinarischer Höchstform auf. In seinem kleinen Wohnzimmer, wie Dinis Martins es nennt, verneigt sich der gutgelaunte Koch vor den Zutaten und kreiert uns mit viel Liebe zum Detail ein einzigartiges Menü auf höchstem Niveau.

Die Tage vergehen wie im Flug und bevor wir die Heimreise antreten, lassen wir uns von Joana Arez, einer Kunsthändlerin, die auf dem Gelände der Pousada die Galerie „Cinco“ betreibt, die dortige Kunst-Szene zeigen. Junge, aufstrebende portugiesische Künstler haben hier ihre Ateliers und gewähren uns Einblicke.

Unseren letzten Urlaubstag und die Nacht wollen wir in der Sieben-Hügel-Stadt Lissabon verbringen. Das Taxi fährt uns in zirka 45 Minuten über die herrlichen Küstenstraßen in das zentrale Boutique-Hotel „Bairro Alto“.

Bairro Alto Hotel im Herzen von Lissabon

Bairro Alto Hotel im Herzen von Lissabon

Wie praktisch, das gleichnamige Viertel, in dem sich unsere Unterkunft befindet, gilt als das Kneipenviertel der Stadt. Wir wohnen mittendrin und genießen Topkomfort mit Spitzenservice. In den engen Gassen reihen sich verschiedene Bars und Restaurants aneinander. Und auch Liebhaber des Fados kommen hier nicht zu kurz. Die Lissaboner sind ein Ausgehvölkchen und starten ihren Partyabend gerne in Bairro Alto. Unserem letzten Abend möchten wir ein kulinarisches i-Tüpfelchen aufsetzen und lassen vom Concierge einen Tisch in dem derzeit angesagtesten Fisch-Restaurant „SeaMe¬“ reservieren.
In dem vom Hotel lediglich 150 Meter entferntem Restaurant trifft sich Lissabons Haute-Volée. Das schlauchförmige Restaurant wartet mit langen Tischreihen, einer großen Bar, zwei Frischfisch-Theken und einem DJ auf. Im vorderen Bereich begrüßt uns eine feine Austern-Bar auf Eis gebettet und im Hinteren des Raums ein wahres Schlaraffenland der Meeresbewohner. Fusion Food meets Classics lautet das Motto. Neben Sushi, Steaks, Vegetarischem und vor allem üppig bestückten Etageren mit Schalentieren sind wir von der Qualität und dem Preis-Leistungsverhältnis angenehm überrascht. Wir fühlen uns wie im Himmel und beschließen, noch einen Absacker auf der Dachterrasse unseres Hotels zu nehmen. Der Ausblick lässt uns den Atem stocken. Im Glanz der Lichter präsentiert sich ein wahres Vorzeige-Lissabon. Über die Dächern der Altstadt blickt man in die Ferne bis zum Hafen und am Horizont umarmt uns zum Abschied noch einmal die Jesus-Statue „Christo Rei“.

OLIMAR Tipps

Anreisen: Nonstopflüge z. B. mit TAP, Lufthansa und Swiss oder buchbar als Komplett-Paket über OLIMAR Reisen
Übernachten: Die „Pousada de Cascais Cidadela Historic Hotel & Art District“ befindet sich in den Mauern, der imposanten historischen Festung „Nossa Senhora da Luz“. Ein Design-Hotel mit 126 lichtdurchfluteten Zimmern, einer eigenen kleinen Mini-Stadt inkl. Kunst-Quartier sowie einem außergewöhnlichen Ausblick auf den Hafen von Cascais. www.olimar.de/LIS636
Essen in Cascais:
  •  Im „Restaurante Dom Pedro“ fühlt man sich wie auf Zeitreise in das Cascais der 60er-Jahre. Die Küche überzeugt mit frischer und liebevoller portugiesischer Hausmannskost. Der galante Inhaber Rodolfo Coelho spricht mehrere Sprachen fließend. Kein Wunder, dass sich hier die ganze Welt trifft. Günstige Preise, Hauptgerichte ab 10 €, zentral gelegen in einer Nebenstraße des Rathausplatzes. Adresse: Beco dos Inválidos 32, 2750-376 Cascais, Telefon:+(351) 214/ 83 37 34, E-Mail: mail@dompedrocascais.com, Website: www.dompedrocascais.com
  • Im „Restaurante Dom Diniz“ treffen sich vor allem Einheimische, Kreative und echte Gourmets. In seiner kleinen, feinen Küche entwirft der Inhaber und Koch Dinis Martins spontan für jeden Gast ein ganz individuelles Überraschungsmenü mit beispielsweise Ceviche, einer portugiesischen Variante von „Himmel und Erde“ mit Portwein-Jus und einem Chocolat Malheur zum Niederknien. Bringen Sie vor allem Zeit mit und lassen Sie sich auf die offenen und fröhlichen Mit-Gäste ein. Kontakten wird hier groß geschrieben. Adresse: Rua Alexandre Herculano n. 77‬, Cascais 2750-284‬, Telefon: +(351) 289/ 591 411, E-Mail: domdinizcascais@hotmail.com
Essen in Lissabon: Das absolute Must ist das „Sea Me Peixaria Moderna“ in Bairro Alto / Chiado. In dem stylischen Ambiente ist alles frisch und man hat die Qual der Wahl. Liebhaber der Meeresküche finden hier eine exquisite Auswahl an Fisch, Meeresfrüchten und Krustentieren. Abends sorgt ein DJ für den musikalischen Background. Ideal für alle, die das Besondere suchen. Adresse: Rua do Loreto 21‬, Lissabon 1200-241, Telefon: +(351) 213/ 461 564, Website: www.peixariamoderna.com‬‬‬‬‬‬‬‬
 Besichtigen:
  •  Ein Stück Naturpark „Praia do Guincho“. Hier kann man Weltklase-Surfern beim Training beobachten. Abends finden hier hippe Strandpartys statt. Mehr Infos unter: www.visitportugal.com
  • Die bezaubernde Stadt „Sintra“ ist ein Reich der Romantik, in dem sich inmitten einer Landschaft aus dichten Eukalyptus-Wäldern und Bergkuppen märchenhafte Paläste, eine grandiose Burg, majestätische Anwesen und stattliche Villen befinden. Ein wahres Freilichtmuseum sowie die einstige Sommerresidenz der Könige und des Adels im 19. Jahrhundert. Mitten im Zentrum von Cascais fährt ein Bus für ca. 8 € direkt ins Sintra-Gebirge.
    Mehr Infos unter: www.parquesdesintra.pt
  • Mit dem Segway lässt sich komfortabel die Altstadt und Küste von Cascais erkunden. Treffpunkt ist der Markt Cascais. Eine zweistündige, geführte Tour kostest ab 45€ pro Person. Mehr Infos unter: www.movingfree.pt
Beste Reisezeit:  Von Ende April bis Mitte Oktober
Mehr Infos:  www.olimar.de/Portugal/lissabons-kuesten oder Turismo de Cascais, Tel.: +(351) 214/ 82 23 27, www.cm-cascais.pt

Karte Lissabons Küsten

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von

Constanze M.

Unsere Autorin Constanze ist Halb-Portugiesin, Modejournalistin und lebt in Hamburg. Reisen gehört zu ihren großen Leidenschaften, denn das bildet, inspiriert und verbindet. Daneben schreibt und produziert sie Interior- und Lifestyle-Geschichten für verschiedene Magazine.

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