Autor: Robert F.

Portwein: die Mutter der Weine

Eine hölzerne Fähre verbindet Portos Altstadt mit Vila Nova de Gaia auf der anderen Seite des Flusses. Dort reihen sich im Dauer-Schatten der nach Süden steil aufsteigenden Berge die Portwein-Kellereien berühmter Marken wie Ramos Pinto oder Sandeman aneinander. Die Winzer bauen die Trauben im oberen Douro-Tal rund 100 Kilometer flussaufwärts an. Dort wird es im Sommer wochenlang bis zu 45 Grad heiß und im Winter sehr kalt. 1756 erhielt das extrem trockene Weinbaugebiet als erstes weltweit die geschützte Herkunftsbezeichnung Domaine d’Origine Controlée D.O.C. Über Jahrhunderte brachten die Weinbauern ihre Ernte auf offenen hölzernen Segelbooten, den Rabelos, in Holzfässern den Fluss hinunter in die Kellereien von Vila Nova de Gaia. Seit Lastwagen diesen Job übernommen haben ruhen viele der historischen mit Weinfässern beladenen Boote als Dekoration am Flussufer. Nach zwei bis fünf Tagen stoppen die Kelterer die Fermentierung des Weins, indem sie rund 20 Prozent Branntwein hinzugeben. Blender mischen aus den verschiedenen Weinen in jeder Kellerei eigene Kreationen, die anschließend in Eichenfässern, Flaschen oder Stahltanks reifen. So entstehen die Sorten Ruby (rubinrot), Tawny (gelb-braun) und die …

Tunas in Porto: Die studentischen Straßenmusik-Gruppen

Manchmal sieht und hört man sie in der Fußgängerzone Rúa Santa Catarina oder auf einem der größeren Plätze in der Altstadt: zehn, 15 junge Männer in weiten schwarzen Umhängen, die auf Gitarren, einem Kontrabass und anderen Instrumenten herzzerreißende Lieder spielen und dazu schmachtend von der Liebe und anderem Herzensleid singen. Obwohl ich nur einzelne Wörter verstehe, kriecht mir bei manchen Stücken eine Gänsehaut den Rücken hinauf. „Ursprünglich wollten die Studenten mit ihrer Musik vor allem die Mädchen bezirzen“, erzählt einer der jungen Männer grinsend und ergänzt auf meine Nachfrage: „Manchmal klappt es.“ Entstanden sind die singenden Studentenverbindungen an der Universität in Coimbra. Von dort kamen sie Mitte des 20. Jahrhunderts nach Porto. Ähnlich wie die Praxe (sprich Prasch) – die bizarr anmutenden Aufnahmerituale für Erstsemester. Die müssen vor den Älteren auf dem Boden kriechen oder Mutproben bestehen. Manche werden auch zur „Taufe“ in einen Brunnen geworfen. Musizierende Studenten Wie diese umstrittenen Rituale, bei denen immer wieder junge Leute verunglücken, dienen die Tuna genannten Musikgruppen der Gemeinschaft. Neudeutsch würde es „Teambuilding“ heißen. „Viele Studienanfänger fühlen sich …

Strand Stadt Meer

Nizza: Mit der Straßenbahn durch die Welten einer kleinen Großstadt

Nach einem aufwändigen Stadtumbau erstrahlt die Perle der Côte d’Azur in neuem Glanz: Die einst chronisch verstopfte Hauptstraße Jean Médecin präsentiert sich heute als hübsche Meile für Fußgänger. 2015 ist ihr letzter Abschnitt fertig gestellt worden. Zwischen Altstadt und Hafen entsteht ein neues Künstler- und Ausgehviertel und den alten betongrautristen Busbahnhof hat man in einem Park mit Wasserspielen verwandelt. Entdecken lässt sich Nissa, La Bella, die Schöne am besten zu Fuß, mit einem der städtischen Mietfahrräder „vélo bleu“ oder mit der neuen silbergrauen Straßenbahn, die die Stadt in einem weiten U-förmigen Bogen durchquert. Vom Hauptbahnhof ist es eine Station zur Place Général de Gaulle im Viertel Libération. Hier kaufen die Einheimischen vormittags gerne auf dem Markt ein. Viele holen sich am Kiosk von Tintin ein Pan Bagnat (wörtlich: nasses Brot, ein Sandwich mit Olivenöl, Tomatensoße, Thunfisch, Ei und Salat für rund 3,50 Euro). Den bald 150 Jahre alten Südbahnhof nebenan hat die Stadt zu einer modernen Bibliothek mit kostenlosen Internetzugängen umgebaut; seine verspielte Fassade in einem Stilmix aus Klassizismus, Belle Epoque und Jugendstil restauriert. Touristen …