Autor: Christina Zacker

Urlaub in Carvoeiro an der Algarve

Wie Portugiesen Urlaub machen

Unsere Autorin Christina Zacker lebt seit einigen Jahren im Hinterland der Algarve, im Monchique-Gebirge. Von dort schickt sie uns regelmäßig Geschichten, die uns zum Schmunzeln bringen und uns einen kurzweiligen Einblick in das portugiesische Leben und den Alltag dort geben. Die Zeitungsfrau am quiosque gibt zwei Wochen vorher Bescheid: „Senhora, wir haben bald geschlossen – Urlaub!“ Der Postbote teilt ebenfalls mit: „Ab nächste Woche kommt dann ein Kollege – ich habe Urlaub!“ Genauso ist‘s beim talho und im Café um die Ecke, wo ich meinen morgendlichen meia de leite trinke. Natürlich frage ich freundlich nach: „Und wohin geht es denn?“ Die Antwort: „An die Algarve!“. Zumindest war das immer so, als ich noch im Großraum Lissabon wohnte. Jetzt an der Algarve ist es allerdings nicht anders. Ich frage grinsend: „Und wo geht’s hin – an die Algarve?“. Zeitungsfrau und Postbote grinsen zurück und murmeln irgendetwas von Strand und Küste und natürlich Familie. Denn jeder weiß: Wenn der Portugiese urlaubt, dann tut er das in zwei Etappen. Eine davon an der Südküste, die andere „daheim“. Wobei …

Handbuch für den Portugal Urlaub - Buchcover

Was zischeln die Portugiesen eigentlich immer so?

Portugiesen sind ganz schon ruppig, finden Sie. Keiner sagt „Entschuldigung“, wenn er sich in der Metro an Ihnen vorbeidrängt oder auf dem Bauernmarkt durchs Gewühl schiebt. Nur so ein merkwürdiges Zischeln hören Sie immer wieder. Das ist ja wohl wirklich kein gutes Benehmen! Dieses Zischeln hören Sie auch, wenn sich ein Portugiese am Telefon verabschiedet. „Kennen die hier kein ‚Auf Wiederhören‘?“ denken Sie sich dann vielleicht. Irgendwann finden Sie heraus: Das Gezischel ist nichts anderes als das typisch portugiesische Nuscheln, also die allgemein übliche Silbenschluckerei. Wer genau hinhört, versteht man’s sogar: com licença (genuschelt: komlissensssa). Sie schlagen in Ihrem Wörterbuch nach. Aha – „mit Erlaubnis“ heißt das. Aber was soll das nur bedeuten?! Man kann com licença vielleicht besser mit unserem Deutschen „Gestatten Sie…?“ übersetzen. Bei uns ist das eine eher altmodische Formel – in Portugal aber eine Selbstverständlichkeit, und zwar immer dann, wenn man einem anderen etwas „Unbequemes“ zumutet. Sei es im Gedränge, wenn man im Supermarkt an jemandem vorbei möchte, wenn man sich ins Private zurückziehen möchte. Man legt bekanntlich großen Wert auf …

Hahn von Barcelos Dekoration

Als Tourist in Portugal: Was Sie an Portugiesen merkwürdig finden könnten

Wir haben Buchautorin Christina Zacker, die seit Jahren in Portugal lebt und arbeitet, gebeten, uns ein paar Wahrheiten über „die Portugiesen“ zu verraten… Hätten Sie’s gewusst? Portugiesen lieben Bacalhau. Selbst wenn der Geruch „umwerfend“ ist – was die Portugiesen aus gesalzenem Stockfisch zaubern, schmeckt bestens. Wenn Sie sich nicht gleich an ein ganzes Gericht wagen: Probieren Sie pasteis de Bacalhau – frittierte Kartoffelteigteilchen mit Stockfisch. Portugiesen sind Fußballfanatiker. Am besten mitmachen! Sie sollten allerdings wissen, welcher der drei großen Vereine (Benfica, Sporting und Porto) in Ihrer unmittelbaren Umgebung angesagt ist. Nicht dass Sie für die „Falschen“ jubeln. Wobei: Wenn Sie das sachverständig tun, nimmt man es Ihnen nicht mal übel. Geben Sie sich aber nicht als Fan aus, wenn Sie’s nicht wirklich sind: Das fliegt schnell auf. Portugiesen können nicht ohne Fernsehen. Jedes Café, jede Kneipe, selbst gute Lokale haben mindestens ein TV-Gerät. Und das ist angeschaltet. Immer. Portugiesen schaffen es, Essen und Trinken zu genießen, sich zu unterhalten und nebenbei mitzubekommen, was im TV läuft. Die Geräuschkulisse gehört dazu, und Sie werden keinen Wirt …

Boote der Seeprozession in Sagres vor der Küste

Die Seeprozession in Sagres

Mitte August gibt es einen Feiertag, den man in Deutschland nur in eher katholischen Regionen kennt: Mariä Himmelfahrt am 15. August. Hier in Portugal ist Assunção de Nossa Senhora gesetzlicher Feiertag. Die Madonna ist die Schutzpatronin vieler Gemeinden und gilt als Nossa Senhora dos Mares als besondere Schutzheilige der Seefahrer und Fischer. In Nazaré etwa findet an diesem Tag eine weithin berühmte Prozession von Booten an der Küste statt, zu Ehren der Nossa Senhora da Nazaré. An der Algarve gibt es Ähnliches. Meinem Freund Wolfgang habe ich es zu verdanken, dass ich davon erfahren habe. Ich kann dieses einmalige Ereignis nur jedem ans Herz legen, der im August hier Urlaub macht und etwas Außergewöhnliches erleben will. Für Residenten gilt dieser Tipp natürlich genauso. Ganz gleich, wie sich das Wetter an diesem Tag zeigt: ob bei Sonne, ob bei Regen – die Seeprozession der Fischer an der Steilküste von Sagres ist auch eine etwas weitere Anreise wert. Schon ganz früh am Morgen beginnen die Vorbereitungen: Die Boote werden von den Fischerfrauen mit Girlanden und bunten Fahnen …

Brunnen

Wasserrechte. Wasserkrieg?

Wer in Portugal auf dem Land lebt, ob im „Nirgendwo“ im Alentejo oder in der Serra de Monchique, sogar unweit der Hauptstadt Lissabon im Dorf, lernt schnell: Mit dem Wasser ist das so eine Sache. Ich war damals ziemlich erstaunt, als ich ins Haus in Azóia am Cabo da Roca einzog und merkte: Kanalisation gibt’s nicht wirklich, es gibt dafür eine Sickergrube. Und als Folge für jeden Besucher und jeden Übernachtungsgast (vor allem weiblichen!) den dringlich-dezenten Hinweis: „Bitte ausschließlich Toilettenpapier benutzen, und das sorgsam überlegt und nicht im Übermaß. Alles andere gehört keinesfalls ins Klo!“ Wenn das nämlich passiert, kommt es zu Engpässen und das möchte man weder riechen noch reinigen müssen… Hier in Monchique ist das nicht anders, aber es kam für mich noch eine Besonderheit hinzu: Wir haben ein eigenes Bohrloch für wirklich gutes und naturreines Trinkwasser. Dazu haben wir eine eigene Quelle. Die speist unter anderem mein Schwimmbecken. Sie sorgt außerdem dafür, dass die Gartenbewässerungsanlage nicht vom Trinkwasserbrunnen versorgt wird, sondern von eben dieser Quelle im Wald. Zumindest dann, wenn wir „dran“ …

Grundlage für den berühmten Schnaps Portugals: Früchte des Erdbeerbaums

Flüstereien und nächtliche Genüsse: Es ist Medronho-Zeit an der Algarve!

Unsere Autorin Christina Zacker lebt seit einigen Jahren im Hinterland der Algarve, im Monchique-Gebirge. Von dort schickt sie uns regelmäßig Geschichten, die uns zum Schmunzeln bringen und uns einen kurzweiligen Einblick in das portugiesische Leben und den Alltag dort geben. Wochenlang haben sie sich kaum blicken lassen. Okay – es war Winter. Jetzt aber tauchen die portugiesischen Nachbarn plötzlich wieder auf. Aber sie benehmen sich etwas merkwürdig. Kommen nicht wie sonst runter bis zum Haus, sondern bleiben oben in der Einfahrt stehen. Winken verstohlen, man möge zu ihnen kommen. Und raunen dann den Satz, der sich mir als Nicht-Einheimischer erst beim zweiten oder gar dritten Mal richtig erschließt: „Comecei a destilar!“ „Ah“, denkt man als Monchique-Neuling, „interessant. Und was soll das jetzt?“ Eine Plastiktüte wird einem in die Hand gedrückt, mit der mehrmals wiederholten und geflüsterten Bitte, ja niemandem etwas zu erzählen, den Inhalt aber bitte zu genießen. Die Tüte trägt man ins Haus, und natürlich folgt man dem Hinweis, dies am besten unter der Jacke verborgen zu tun. Wenn es denn dem Seelenfrieden des …

Storch Nest Rasmalho

Die Störche von Rasmalho

Ob es am Märchen vom Kalif Storch liegt, das ich als Kind so liebte? Oder an den Familienferien im österreichischen Burgenland, wo ich als kleines Mädchen in der Storchenstadt Rust fasziniert die wagenradgroßen Nester auf Hausdächern und Kaminen bestaunte? Störche jedenfalls haben es mir angetan. Als ich vor elf Jahren nach Portugal zog, dachte ich allerdings nicht an Störche. In Lissabon und Cascais gab’s nämlich keine zu sehen. Eines schönen Tages aber fuhren wir an die Algarve und wählten ganz bewusst nicht den schnellen Trip über die Autobahn, sondern „zockelten“ über die Landstraße (kleiner Tipp für alle, die in Lissabon ankommen und ein wenig Zeit mitbringen: Fahren Sie über die Brücke Vasco da Gama auf der A 2 Richtung Süden, nehmen Sie die Ausfahrt Setubal, dort die Fähre nach Tróia/Comporta und fahren dann gemütlich über die N 261 und die N 120 an die westliche Algarve). Das dauerte zwar länger, aber die wunderschöne Strecke lohnte sich. Wir sahen „Portugal von innen“: kleine Dörfer und verträumte Städtchen; Kiefernwälder, Korkeichen und Reisfelder; fast menschenleere, traumhafte Sandstrände. Und …