Land & Leute
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Als Tourist in Portugal: Was Sie an Portugiesen merkwürdig finden könnten

Hahn von Barcelos Dekoration

Wir haben Buchautorin Christina Zacker, die seit Jahren in Portugal lebt und arbeitet, gebeten, uns ein paar Wahrheiten über „die Portugiesen“ zu verraten… Hätten Sie’s gewusst?

Portugiesen lieben Bacalhau.

Selbst wenn der Geruch „umwerfend“ ist – was die Portugiesen aus gesalzenem Stockfisch zaubern, schmeckt bestens. Wenn Sie sich nicht gleich an ein ganzes Gericht wagen: Probieren Sie pasteis de Bacalhau – frittierte Kartoffelteigteilchen mit Stockfisch.

Portugiesen sind Fußballfanatiker.

Am besten mitmachen! Sie sollten allerdings wissen, welcher der drei großen Vereine (Benfica, Sporting und Porto) in Ihrer unmittelbaren Umgebung angesagt ist. Nicht dass Sie für die „Falschen“ jubeln. Wobei: Wenn Sie das sachverständig tun, nimmt man es Ihnen nicht mal übel. Geben Sie sich aber nicht als Fan aus, wenn Sie’s nicht wirklich sind: Das fliegt schnell auf.

Portugiesen können nicht ohne Fernsehen.

Jedes Café, jede Kneipe, selbst gute Lokale haben mindestens ein TV-Gerät. Und das ist angeschaltet. Immer. Portugiesen schaffen es, Essen und Trinken zu genießen, sich zu unterhalten und nebenbei mitzubekommen, was im TV läuft. Die Geräuschkulisse gehört dazu, und Sie werden keinen Wirt dazu bringen, das Fernsehgerät abzuschalten. Versuchen Sie’s also gar nicht erst. Vor allem nicht, wenn Fußball übertragen wird.

Portugiesen sind gelassen.

Das Zauberwort heißt paciência – Geduld. Sich nicht über Dinge oder Situationen aufregen, die man eh nicht ändern kann. Sie ärgern sich über einen Stau? Über die lange Schlange an der Fischtheke? Übers schlechte Urlaubswetter? Darüber, dass „nichts vorwärtsgeht“ am Frühstücksbüfett? Machen Sie’s wie die Portugiesen – und bleiben Sie gelassen.

Portugiesen haben saudade.

Man sehnt sich zurück nach glorreichen Zeiten, weiß um die Tragik des Lebens, aber auch seine schönen Seiten, die aber – ach! – vergangen sind. Fado ist die musikalische Art, diese unbestimmte Sehnsucht auszudrücken. Wenn Sie die Chance haben: Lieber Fado in in einer urigen Kneipe auf dem Dorf und von Laien gesungen – und das voller Inbrunst und echter Begeisterung – als von „Profis“, die jeden Abend zehn Auftritte in Lissabonner Fadohäusern abspulen. Es ist wirklich verletzend für Portugiesen, wenn Sie beim Fado nicht ergriffen lauschen. Also bitte keine Unterhaltungen mit dem Tischnachbarn. Mitklatschen ist ebenfalls verpönt.

Portugiesen lieben Körperkontakt.

Distanz wird in Portugal mit Misstrauen betrachtet. Lassen Sie sich drauf ein, wenn selbst der es Ihnen ein wenig unheimlich ist, dass die Ferienhausvermieterin Sie gleich mit beijinhos (Küsschen) begrüßt und mit abraço (Umarmung) verabschiedet.

Portugiesen sind abergläubisch.

Hexerei und Voodoo sind was für Ungebildete? Sie mögen das so sehen, aber sagen sollten Sie es nicht. In jeder Tageszeitung gibt es Hunderte von Anzeigen, in denen Astrologen, Hexen und Zauberer ihre Dienste anbieten. Fast jeder Portugiese glaubt nämlich fest daran, dass man verflucht werden kann oder sich vor Zauberei schützen muss.

Portugiesen sind extrem höflich.

Selbst wenn sie ein Telefongespräch beenden, sagen sie com licença („Sie gestatten doch?“). Sprechen Sie also nicht stur deutsch oder englisch, sondern lernen Sie ein bisschen portugiesisch: „Guten Tag“ (bom dia), „Bitte“ (por favor)und „Danke“ (obrigado/a), vielleicht noch „Entschuldigung“ (desculpe) oder „Wie geht es?“ (come está?): Damit zeigen Sie, dass Sie sich auf Land und Leute einlassen. Man wird das mit freundlichem Entgegenkommen und besonderer Hilfsbereitschaft honorieren. Allzu schnelles Duzen sollten Sie besser lassen – Portugiesen siezen sich oft noch nach langjähriger Bekanntschaft.

Portugiesen frühstücken selten zu Hause.

Man geht ins Café – und nimmt da eine bica (Espresso), einen galão (portugiesischer Latte macchiato) oder einen meia de leite (Milchkaffee halb und halb) zusammen mit einem süßen oder pikanten Teilchen zu sich. Warum machen Sie’s nicht wie die Portugiesen? Das geht natürlich überall in Portugal, aber besonders empfehlenswert ist es in Lissabon. Einfach sitzen, schauen – und die Stadt und die Lisboetas (samt Touristen) auf sich wirken lassen. Wenn man dann neben seiner bica leckere pasteis de nata (oder einen pikanten Snack, etwa rissois) genießt – dann fängt der Tag richtig gut an.

Kategorie: Land & Leute

von

Christina Zacker

Christina Zacker ist deutsche Journalistin und Buchautorin und lebt seit vielen Jahren in Portugal, im Hinterland der Algarve. Amüsant und zugleich informativ berichtet sie regelmäßig über ihre Beobachtungen und Erlebnisse im portugiesischen Alltag.

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